Barbara Haiduck, Köln

desto weiter erscheint der horizont

Ausstellung im Rahmen der Internationalen Photoszene Köln, 26.8.-9.9.2016

In meinen neuen Arbeiten von 2015/16 greife ich auf elementare Verfahren der Fotografie wie Fotogramme und Lochkamerafotografie zurück. Der Zauber, der diesen künstlerisch traditionsreichen, entschleunigten Techniken zugrunde liegt, wird genutzt um Bildwelten zu schaffen und zu verdichten. Dabei werden dem Faktor Zufall sowie dem Faktor Zeit bei der Belichtung ein hoher Stellenwert beigemessen, denn ebenso wie das Fotogramm, entzieht sich das Lochkamerabild dem kontrollierenden Blick durch eine Linse und dem Festhalten eines Bildausschnitts in Sekundenbruchteilen.
Experimentierfreudigkeit sowie Erfahrung und der Zugriff auf einen großen Fundus von Materialien bestimmen bei der Umsetzung meiner Tageslichtfotogramme den Grat zwischen Abbildhaftigkeit und Möglichkeiten des gestalterischen Eingreifens in den stundenlangen Belichtungsprozess. In der weiteren Bildgenerierung wird analoge Dunkelkammertechnik, unter Nichteinhaltung des üblichen Ablaufs (die Bilder werden zum Teil nur mit Fixierer festgehalten), mit digitalen Möglichkeiten weiter formal umgesetzt.
Die im Kontakt entstandenen und so von Licht und Schatten gezeichneten, einer schöpferischen Interpretation angepassten Fotogramme, muten mit ihrer bizarren Farbigkeit und Transparenz poetisch und imaginär an. Silhouetten und Spuren von vegetabilen Formen, in ihrer Bestandsaufnahme teilweise einem Herbarium gleich, materialisieren sich durch Licht auf dem Papier und betonen ihre archaische Schönheit und Einzigartigkeit.
Zellenartige Licht- und Schattengefüge, enthoben ihren visuellen Oberflächenreizen und einer perspektivischen Darstellung, werden zu einem abstrakten Formen- und Flächenspiel. Diffus und konkret zugleich erscheinen die auratischen Nachbilder. Formengebilde aus einer Welt der Erscheinungen irritieren die Vorstellung des Sichtbaren, offenbaren eine geheimnisvolle, alchimistische Atmosphäre und schließen neue, assoziative Räume auf.
Durch lange Belichtungszeiten mit der Lochkamera wird Bewegung Stille. Die Farbflächen und aufgelösten Strukturen werden zu Abbildern eines Durchschreitens von Zeit. Der verlangsamte Blick konzentriert sich auf das künstlerische Traditionsthema „Meer“ und wird am Horizont, wo die Elemente zusammentreffen wie durch ein Fernrohr fokussiert.  
Mit den Urformen der Bildaufzeichnung und den digitalen Mitteln des 21. Jahrhunderts, der Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, wird fotografisches Verfahren selbst zum Bildinhalt gemacht. Lichtbildnerische Prozesse werden ins Bewusstsein gerückt und experimentell erkundet. Der heutigen, allgegenwärtigen fotografischen Bilderzeugung wird der bewusste Vorgang des Bildermachens mit dem Ausloten seiner Möglichkeiten entgegengesetzt. Neben dieser materiell-sensuellen Ebene werden die gestalterische Interpretation und Rezeption von fotografischen Abbildern thematisiert. 
Barbara Haiduck, Juli 2016


Kurzbiografie

1961     in Wilhelmshaven geboren
1983     Studium der Künstlerischen Fotografie an der GH Kassel bei Prof. Floris M. Neusüss
1986     Fortsetzung des Studiums an der FH Köln bei Prof. Arno Jansen
1988     Arbeitsstipendium des DFJW
1989     Abschluss des Studiums mit Diplom und Ernennung zur Meisterschülerin von Prof. Arno Jansen
Mitglied im Bundesverband Bildender Künstler Köln e.V.
Lebt und arbeitet seit 1986 als freie Künstlerin in Köln


Ausstellungen
1987     Kunsthalle Wilhelmshaven
1988     Internationale Photoszene Köln
1989     Rencontres Internationales de la Photographie d’ Arles, F
1990     Internationale Photoszene Köln
           Museum für Photographie, Braunschweig (E)
           Galerie Artists Unlimited, Bielefeld (E)
1991     KölnKunst 3, Köln
1994     Bundesverband Bildender Künstler, Köln
           Internationale Photoszene Köln (E)
1995     KölnKunst 4, Köln
           Bunker Ulmenwall, Bielefeld (E)
1998     KölnKunst 5, Köln
2009     Bilderbuchmuseum Troisdorf
2010     Internationale Photoszene Köln (E)
2012     Halle Zollstock, Köln (E)
           Internationale Photoszene Köln
2013     Kunst- und Museumsbibliothek der Stadt Köln
           Kunstverein 68 elf e.V. / Odonien, Köln
           Galerie eyegenart, Fritz Böhme, Köln
2014     Skulpturenausstellung, Schlosspark Stammheim, Köln
           Galerie Altes Rathaus, Fürstenwalde
2015     Lessenich-privART, Skulpturenausstellung, Lessenich, Eifel
2016     Kunsthalle Wilhelmshaven
           Halle Altes Rathaus, Schweinfurt
   
www.barbara-haiduck.de

Edition zur Ausstellung
Barbara Haiduck: "looking through", Umgekehrtes Tageslichtfotogramm
Pigmentdruck, 30x40 cm, 2016, Auflage 10 + 2 AP, 220 €
Vorzugspreis beim gleichzeitigen Erwerb der Editionsarbeit von Inge Kamps: 200 €









 







 



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Barbara Haiduck, Dokumentation Ausstellung kampstogether



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