Inge Kamps, Videos, Installationen, Malerei (Aquarelle), Fotos 

Johannes Quint, Kompsition für die audio-visuelle Transformation des Kafka-Textes „ ...nur von der Ferne horche ich ...“, (siehe nachfolgenden Text) 2012


Ausstellung Oktober 2012

Ein Himmel,  auf dem sich stetig immer neue Wolkengebilde kreieren und wieder auflösen, bildet einen ungebrochenen (ungeschnittenen) Hintergrund in diesem sehr langsamen Video.
Eine zweite, animierte Ebene (Wasserfläche, Speicher, Ruine, Landschaft und Linse), schiebt sich gelegentlich vor diesem bewegten Himmel, mal mehr, mal weniger transparent.
Das Bild verhält sich zu Text und Musik mal kommentierend, mal betonend, mal verliert es alle Verbindung zu ihnen, um dann wieder wechselseitig auf sie bezogen zu sein.

Die Tonspur besteht ebenfalls aus mehreren Ebenen:
Im Vordergrund steht Kafkas Text, der vollständig gesprochen und dabei durch grosse Pausen stark in die Länge gezogen wird. Dahinter tauchen immer wieder geflüsterte kurze Ausschnitte des Textes auf und verschwinden wieder. Schliesslich gibt es das in grossen Abständen wiederholte Wort ‘ich’, das - wie ein Spiegel - Identität aufrecht erhält oder aufrechtzuerhalten versucht.
Das Zeitgefühl wird entscheidend durch die einzige im engeren Sinne musikalische Spur bestimmt. Sie besteht aus ruhig vorbeiziehenden Klängen, die in einer unendlich langsamen und sehnsüchtigen Steigerung in eine Klimax führen. Diese Klänge sind komplexe Aggregate, deren Komponenten aus weissem Rauschen bestehen, das mit Resonanzfiltern bearbeitet wurde.

Der Text von Franz Kafka lautet:
Ich bin zurückgekehrt, ich habe den Flur durchschritten und blicke mich um. Es ist meines Vaters alter Hof.  Die Pfütze in der Mitte.  Altes, unbrauchbares Gerät, ineinander verfahren, verstellt den Weg zur Bodentreppe. Die Katze lauert auf dem Geländer. Ein zerrissenes Tuch, einmal im Spiel um eine Stange gewunden, hebt sich im Wind. Ich bin angekommen.  Wer wird mich empfangen?  Wer wartet hinter der Tür der Küche? Rauch kommt aus dem Schornstein, der Kaffee zu Abendessen wird gekocht. Ist dir heimlich, fühlst du dich zu Hause? Ich weiß es nicht, ich bin sehr unsicher. Meines Vaters Haus ist es, aber kalt steht Stück neben Stück, als wäre jedes mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, die ich teils vergessen habe, teils niemals kannte. Was kann ich ihnen nützen, was bin ich ihnen und sei ich auch des Vaters, des alten Landwirts Sohn. Und ich wage nicht, an der Küchentür zu klopfen, nur von der Ferne horche ich, nur von der Ferne horch ich stehend, nicht so, daß ich als Horcher überrascht werden könnte. Und weil ich von der Ferne horche,  erhorche ich nichts, nur einen leichten Uhrenschlag höre ich oder glaube ihn vielleicht nur zu hören, herüber aus den Kindertagen. Was sonst in der Küche geschieht, ist das Geheimnis der dort Sitzenden, das sie vor mir wahren. Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man. Wie wäre es, wenn jetzt jemand die Tür öffnete und mich etwas fragte. Wäre ich dann nicht selber wie einer, der sein Geheimnis wahren will.


Johannes Quint, geb. 1963, studierte Komposition und Musiktheorie bei Hans Zender (HfMDK Frankfurt/M.) und Friedrich Jaecker (HfMT Köln). Seine kompositorische Arbeit wurde durch zahlreiche Preise, Stipendien und Kompositionsaufträge ausgezeichnet und durch international renommierte Ensembles (Ensemble Modern, Klangforum Wien, Musikfabrik NRW, ars-nova-ensemble Berlin, Neue Vocalsolisten Stuttgart, ohton-Ensemble, Oldenburg etc.) aufgeführt.
Johannes Quint lebt als Komponist in Bonn und ist seit 2009 Professor für Musiktheorie an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Standort Aachen.
Weitere Infos unter:  www.johannes-quint.de

Inge Kamps, geb. 1954, studierte Freie Malerei an der FH Köln (Meisterschülerin, K.Marx) und absolvierte ein Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien (Diplom).
Seit 1985 Ausstellungen im In- und Ausland, seit 1994 interdisziplinäre Projekte mit Musikern (Paulo Chagas, Hans Ulrich Humpert, Johannes Quint) und Tänzern (James Saunders, Lina do Carmo).
Weitere Infos  unter: www.kamps-lab.de 






Nach(t)leuchtendes Herbarium
Installation aus 100 gepressten und getrockneten Wildpflanzen
vor einer mit Leuchtpigmenten präparierten Wand

© Inge Kamps, 2012
Nach(t)leuchtendes Herbarium
Installation aus 100 gepressten und getrockneten Wildpflanzen

© Inge Kamps, 2012

Baum, VideoInstallation 
© Inge Kamps, 2012


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Inge Kamps: Videostill aus  ".... nur aus der Ferne horche ich ..." 

Blick in die Ausstellung: Links Lichtstudien,
rechts: Nach(tleuchtendes Herbarium, Oktober 2012